brain writes thoughts? Auswertung

Am 7.3. 17 fand im E-Werk ein Zusammenspiel von Gehirnsignalen, Elektronik, Geige und Text statt: eine Performance, bei der ein Proband mit drei Kunstschaffenden interagierte. Der Geiger Harald Kimmig, die Schrifstellerin Annette Pehnt und der Elektronikkünstler Ephraim Wegner improvisierten auf die Gehirnsignale von Gabriel Pallas, der 50 Minuten ruhig saß und EEG-Signale produzierte. Diese Elektroenzephalogramm-Signale zeigen die elektrische Aktivität, die unter der Schädeldecke abläuft. Davon zu sehen waren schwankende Linien auf einem Bildschirm – jede Linie ein Kanal, der Signale von bestimmten Bereichen des Kopfes zeigte. Den widrigen Bedingungen einer Bühne trotzend (das EEG ist sehr anfällig für elektrostatische Störimpulse von Handies, elektrischen Geräten und sogar Reibung von Schuhen auf dem Tanzboden), zeigten sich auf dem Bildschirm Signale neuronalen Ursprungs, die Ephraim Wegner mit einem Algorithmus – ein so genanntes neuronales Netz – in Bild und Ton umwandelte. Annette Pehnt reagierte auf das fortschreitende Zick-Zick der neuronalen Potentiale mit Texten, die sie – live erdacht – in einen Laptop tippte. Harald Kimmig improvisierte zu den Signalen auf der Geige. Ohne große Erklärungen setzten wir auch das Publikum diesem Experiment aus und wollten Fragen hören. 13 freundliche Besucherinnen und Besucher meldeten uns zurück, welche Fragen die Performance bei ihnen aufwarf:

Was ist das Rätsel?

Wer reagiert auf wen? Auf welche Signale reagiert jeder?

Ersetzt die Versuchsperson irgendwann den Dirigenten?

Was können wir in Zukunft?

Kann das Ergebnis so komplex sein, dass es mit einem Instrumentalisten mithalten kann?

Soll Performance Erkenntnisse bringen? Wird sie ausgewertet?

Spielt der Violinist die Partitur der Alpha-Beta-Gamma-Wellen?

Hört die Schreibende das Spiel und schreibt sie, was sie hört, oder was sie sieht?

Was muss der „Patient“ denken, um Gehirnströme zu erzeugen, die so differenziert sind, dass sie zur Steuerung geeignet sind?

War die Performance direktes Feedback der Eindrücke, die Pehnt/Kimmig bei Brainlinks gesammelt hatten?

Beantworten können wir diese Fragen nicht selbst und bitten euch gerne um Kommentare unter diesem Artikel.

Die Performance hat viele verschiedene Assoziationen heraufbeschworen und für jede Menge Diskussionstoff gesorgt. Das spiegelt sich auch in den Fragen. Die Badische Zeitung schrieb dazu: “Bravourös!”.

Hier sehen sie noch Bilder zu Performance und Aufbau:

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Mich (Mathilde Bessert-Nettelbeck) hat in der Entwicklungsphase besonders beeindruckt, wie die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe von Dr. Tonio Ball von BrainLinks-BrainTools, insbesondere Lukas Fiederer, Dominik Welke und Martin Völker sich mit Ephraim Wegner über Daten ausstauschen konnten: Ich denke, Digitalkunst und Neurowissenschaften haben viele Überschneidungen und können gegenseitig voneinander lernen.

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