Jedem seine Expertise

Vom 16.-20.2 hatte ich (Mathilde Bessert-Nettelbeck) die Chance, das Annual Meeting der Association for the Advancement of Science in Boston zu besuchen. Das Thema war: der Austausch von Wissenschaftlern mit der Öffentlichkeit und der Politik.

Der erste Tag der Konferenz stand ganz im Lichte der Kommunikation: Es wurde viel über das Konzept “Public engagement in science” und “public outreach”, dem wir uns im Rahmen des Projekts Reaching Out auch widmen, diskutiert: Dazu habe ich an anderer Stelle detailliert berichtet. Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich mit unseren Beobachtungen und Vorgehensweisen deckt, ist, dass es für einen erfolgreichen Dialog essentiell ist, die verschieden Facetten von Expertise anzuerkennen. Da heutzutage jeder Zugang zu jeder Menge Informationen im Internet hat und das Bildungsniveau insgesamt sehr gut ist, betrachteten die Teilnehmer das so genannte “Defizit-Modell” der Wissenschaftskommunikation als überholt: Dieses früher unter dem Begriff “Public understanding of Science” bekannte Konzept hat als Prämisse, es gebe einen Mangel an (Natur)wissenschaftlichem Verständnis, der beseitigt werden muss, um eine wissenschaftlich fundierte öffentliche Debatte und politische Partizipation zu ermöglichen.

Diese Art von Wissenschaftskommunikation ist zwar notwendig, nimmt sein Publikum aber nicht wirklich ernst. Ich stimme hier Matt Leighninger von der NGO „Public Agenda“ zu – Das Publikum ist erwachsen geworden und wir sollten es dementsprechend ernst nehmen. Auf diese Weise können Wissenschafterinnen und Wissenschaftler “vom Elfenbeinturm herabsteigen” und trotzdem als Experten respektiert werden. Wissenschaftsinteressierte Bürgerinnen und Bürger sind oft sehr offen für diese Expertise, bis Wissenschaftler zu stark belehrend auftreten – dem Publikum etwas vorschreiben, deren Fragen nicht ernst oder gar wegen ihres Unwissens bloßstellen. Wir versuchen in unseren Projekten, verschiedenste Gemeinschaften wie Künstlerinnen und Künstler, Patientengruppen und Jugendliche mit der Wissenschaftler-Gemeinschaft in Kontakt zu bringen, die unterschiedlichen Wissensformen zu respektieren und einen Austausch anzuregen. Das klappt meist sehr gut und – ich habe den Eindruck – mit großem Respekt für die Andersartigkeit, Wertschätzung und Offenheit: Nur so nämlich kann ein Austausch zwischen Kulturen des Wissens funktionieren.

 

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