Free Hugs in der Werkstatt?

Am 31.1.2016 werden wir vertrauensvoll: Prof. Dr. Markus Heinrich vom Institut für Psychologie der Universität Freiburg erklärt in einem Vortrag in der Bernstein-Werkstatt, was dieses Molekül auf dem Bild weiter oben mit unserem sozialen Verhalten zu tun hat. Viele von euch wird dieses sogennante “Kuschelhormon” aus Zeitungen und Fernsehen ein Begriff sein – Oxytocin. Doch wie kommt das Neuropeptid – es besteht aus 9 Aminosäuren – zu seiner Reputation als Liebes-Hormon? Ist dieser Ruf berechtigt? Und: lässt es sich synthetisch hergestellt als Therapie bei Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen anwenden?

Unterstützt wird Heinrichs dabei von zwei Schauspielern: Christoff Raphael Mortagne und Jana Skolovski. Sie helfen ihm, komplexe Stresssituation nachzustellen, bei denen sich die weibliche und männliche Reaktion auf das Hormon unterscheiden.

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Oxytocin wird in der Hirnregion namens Hypothalamus von Nervenzellen hergestellt. Die Axone, lange Fortsätze dieser Zellen, sind im Bereich der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, in Kontakt mit der Blutbahn. Dort geben sie bei Bedarf das Hormon in die Blutbahn ab. Getriggert wird die Herstellung von der Aktivität der Nervenzellen. Die Wirkung im Gehirn läuft aber über weitere Fortsätze dieser Zellen. An chemischen Synapsen stehen die Neurone direkt mit Zellen in anderen Hirnregionen in Verbindung. Das Neuropeptid verbreitet sich aber auch über den Prozess der Diffusion im Gehirngewebe, wenn es an Dendriten – kleineren Zellfortsätzen – freigesetzt wird. Dort wo Rezeptormoleküle diesen Stoff erkennen, entstehen Reaktionen im Gehirngewebe, die zu einer Verhaltens- oder Gefühlsänderung führen können.

Es ist also Hormon und Neurotransmitter zugleich und es kann sowohl gleichzeitig als auch unabhägig voneinander im Gehirn und im Blut freigesetzt werden. Wer blickt denn da noch durch… Bekannt ist Oxytocin seit 1906. Und 1951 entdeckten Bergmann und Scharrer, dass es zusammen mit dem Hormon Vasopressin im Hypothalamus entsteht. Am besten untersucht ist die Ausschüttung von Oxytocin bei der Geburt und die wehenfödernde Wirkung des Hormons an den Muskeln der Gebärmutter. Desweiteren wirkt Oxytocin im Gehirn auf Bindungsgefühle, auf Stressanfälligkeit, auf Erinnerungsfähigkeit etc.

Die vielen Wirkungen des Hormons/Neurotransmitters/Neuromodulatoren werden intensiv in der wissenschaflichen Literatur diskutiert und auch die Glaubwürdigkeit und Wiederholbarkeit einiger Studien wird in Frage gestellt. Um den Autor des Discover Magazin Blogs “Neuroskeptic” zu zitieren: “Oxytocin truly is an amazing hormone. It can give a “scientific” basis to any half-baked belief you already have about social relationships!” (Twitter ).

Wir vertrauen also auf die Diskussionsfestigkeit unseres Publikums und den kritischen Blick von Prof. Dr. Markus Heinrichs, um nächste Woche etwas Licht in dieses Emotionsgewirr zu bringen.

Zur Vorbereitung oder zum Weiterlesen:

Kanat, Manuela, Markus Heinrichs, and Gregor Domes. “Oxytocin and the Social Brain: Neural Mechanisms and Perspectives in Human Research.” Brain Research, Oxytocin in Human Social Behavior and Psychopathology, 1580 (September 11, 2014): 160–71. doi:10.1016/j.brainres.2013.11.003.

Landgraf, Rainer, and Inga D. Neumann. “Vasopressin and Oxytocin Release within the Brain: A Dynamic Concept of Multiple and Variable Modes of Neuropeptide Communication.” Frontiers in Neuroendocrinology 25, no. 3–4 (September 2004): 150–76. doi:10.1016/j.yfrne.2004.05.001.

Alvares, Gail A., Daniel S. Quintana, and Andrew J.O. Whitehouse. “Beyond the Hype and Hope: Critical Considerations for Intranasal Oxytocin Research in Autism Spectrum Disorder.” Autism Research, September 1, 2016, n/a – n/a. doi:10.1002/aur.1692.

https://figshare.com/articles/A_brief_history_of_oxytocin/3407908

 

 

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