Ava, Alice und Mitleid mit Robotern

Am Dienstagabend war der Hörsaal 2006 im KG2 voll besetzt: Wir zeigten den Film Ex Machina als Teil der Filmreihe “Science Fiction in a Reality Check” im aka-Filmclub in Freiburg. Der Film von 2015 ist ruhig und doch spannend. Die Schauspieler sind hervorragend, besonders der Software-Entwickler Nathan ist dermaßen unsympathisch pseudo-cool –  Oscar Isaacs Spiel hat mich überzeugt. Ein dramatisches Ende lässt jede Menge Platz für Gesprächsstoff – zum Beispiel zum Thema Robotik: Wie weit sind wir wirklich in der Entwicklung intelligenter androider Roboter, wie Ava, der hübschen, frankensteinartigen Maschine im Film?

Prof. Dr. Wolfram Burgard übernahm die Aufgabe, den Wissensstand des Publikums mit  Fakten zu unterfüttern: Künstliche Intelligenz ist eine Forschungsrichtung, die versucht, für den Menschen nützliche “Agenten” zu konstruiren. Software auf unseren Smartphones soll mit Hilfe dieser Algorithmen den Alltag vereinfachen. Der Turing-Test kann genutzt werden, um zu zeigen, ob diese Intelligenz der eines Menschen ähnelt, aber es ist kein Test über das Bewusstsein einer Maschine: Ob diese simuliert, zu wissen, dass sie denkt, ist mit diesem Test nicht herauszufinden. Mit neuen Methoden aus dem Bereich des machinellen Lernens können schon sehr intelligente Chatbots funktionieren, wie zum Beispiel ALICE.

Bei den Robotern ist es noch ein weiter Weg zum eleganten Androiden aus dem Film. Wolfram Burgard präsentierte zwei Meilensteine in diesem Bereich: einen faltenden Roboter und einen Roboter der durch den Wald läuft und Pakete hebt. Mitleidsbekundungen füllten den Saal, als der Roboter am Ende des Videos von einem Menschen getestet (und fies behandelt!) wurde.
Im Anschluss diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lebhaft weiter und es kristallisierten sich folgende Themen heraus:

Unklar ist, ob es wirklich möglich sein wird, jemals eine Maschine mit Bewusstsein zu entwickeln und ob diese Eigenschaft überhaupt nachprüfbar ist. Falls es möglich ist: Welchen rechtlichen, moralisch-ethischen Status sollte man diesen Wesen mit vermeintlichem Bewusstsein oder menschenähnlicher Intelligenz zusprechen? Wie schwer wäre es für einen Roboter, ein Leben mit diesem Bewusstsein zu führen? Einig waren sich die meisten, dass man trotz dieser Bedenken weiter forschen sollte. Viele waren auch der Meinung, die Forschung sollte generell darauf verzichten, einen Roboter mit einem menschlichen Bewusstsein austatten zu wollen. Auch die Gefahr des Missbrauchs von Technologien wurde diskutiert. Dass dieser Forschungszweig solche ethischen Diskussionen braucht, war, glaube ich, für alle Teilnehmer nach diesem Abend eindeutig.

Vorab sprach UniFM mit Wolfram Burgard über Robotik:
www.unicross.uni-freiburg.de/2016/05/beep-bob-beep-kuenstliche-intelligenz-im-unifm-studio/

Zum Weiterlesen:

http://www.economist.com/node/21556234

http://www.bbc.com/future/story/20150724-the-problem-with-the-turing-test

http://futureoflife.org/ai-open-letter/

 

 

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